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Graduiertenkolleg "Das Reale in der Kultur der Moderne"

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Kurze Zusammenfassung des Profils:

Die kulturwissenschaftliche Debatte der letzten Jahrzehnte war auf Effekte der Selbst­referenz von Texten, Sprache und kulturellen Symbolisierungen gerichtet. Es ging vor allem darum, die gesellschaftliche und geschichtliche Bedingtheit von Zeichenprozessen und der sich daraus ergebenden Objektkonstitutionen vor Augen zu führen. Diese Akzent­setzung, die sich unter den Sammelbegriff ‚Konstruk­ti­vis­mus’ fassen lässt, fordert ihren Preis. Sie lässt die Dimension derFremdreferenz von Zeichensystemen in den Hin­ter­grund treten, erzeugt eine gewisse Verlegenheit, was die Frage nach dem Realen unabhängig von der je­wei­ligen kul­turellen Symbolwelt betrifft, und läuft dadurch Gefahr, den epistemi­schen Graben zwischen sciences undhumanities zu vertiefen.

Bei genauerem Hinsehen handelt es sich hier indessen nicht um ein spezifisch post­modernes Dilemma, sondern um einen Zwiespalt, der die gesamte Moderne begleitet und zudem wesentlich ältere Wurzeln hat. Es bildet geradezu die Signatur der Moderne, dass sie ihren großen Erfolgen in der Praxis eine tiefe Skepsis hinsichtlich der Er­kenn­bar­keit der ‚Dinge an sich’ und der Zugänglich-keit der Natur durch den Menschen ent­gegenstellt. Die kulturellen Selbstdiagnosen der Moderne werden von einem Narrativ dominiert, das einer­seits von der wachsenden Autonomie des Subjekts und der Kultur als selbst­geschaf­fener menschlicher Be­deu­tungs­welt Zeugnis gibt, andererseits aber in seinem pes­si­­misti­schen Gegen­sinn eine (oft literarisch ausgestaltete) Geschichte vom Verlust der Referenz, vom Ver­fall der Nähe zu den Din­gen und von der Entwirklichung der Erfahrung erzählt.

Dieses gespaltene Narrativ prägt auch den Begriff des Realen in der Moderne, das kaum anders als paradox zu haben ist: als etwas, das sich im Prozess seiner Aneignung entzieht, das zur Symbolisierung und Repräsentation drängt, aber durch beide immer zugleich ver­stellt wird – sowohl Matrix als auch Hindernis kultureller Bedeutungsproduktion.

Das geplante Graduiertenkolleg geht von einem kultursemiotischen Ansatz aus der Frage nach, wie kulturelle Fremdreferenz organisiert ist und wie sie auch und gerade in ihren Para­doxien funktioniert. Es soll ‚Schau­plätze des Realen’, seiner begrifflichen Fassung und metaphorischen Model­lie­rung aufsuchen – epistemologisch, wissenschaftstheoretisch, wahr­nehmungs­geschichtlich, ästhetisch und literarisch. Es bietet Dokto­ran­den Anschluss an die kultur­wissenschaftliche Grundlagenforschung in Konstanz und ist zudem in einen bereits existierenden internationalen Forschungsverbund eingebet­tet. (Quelle: Projekthomepage)

Links:

http://www.uni-konstanz.de/reales/

Zuletzt aktualisiert am Montag, 14. März 2011
 
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